Vom Backpacker zum Flashpacker
Neue Studie zu Budgetmärkten
Es gibt im Tourismus, speziell für seine gastgewerblichen Säulen, heute kein Segment mehr, das nicht schon mehrfach durch diverse Studien untersucht , analysiert, auf seine Alltagstauglichkeit bzw. seine Zukunftsfähigkeit abgeklopft worden ist.
Für den Fachjournalisten , der es beinahe täglich mit neuen ( Marketing)-Begriffen zu tun bekommt , lohnt es dennoch, sich auch mit dieser Materie zu beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das gilt auch für die Studie „ Wie Budgetmärkte weiter wachsen “, die kürzlich in Berlin vorgestellt wurde.
Wird auch hier eingangs die sattsam bekannte These von der hohen Dynamik des Budgetbereichs der Hotellerie vertreten und begründet, folgen dann durchaus interessante und überlegenswerte Detailanalysen zu möglichen Veränderungen und Verschiebungen sowie neuen Trends. Mit Anregungen für die eigene journalistische Recherche.
Ein neuer Typ Tourist hat sich auf den Weg gemacht : der sogenannte Flashpacker.
Er ist so etwas wie der Backpacker dieses Jahrhunderts. Sein wichtigstes Merkmal: das Hightech-Reisegepäck mit Laptop usw. Der Flashpacker hat nicht nur online gebucht, er kommuniziert auch immer und überall online. Er braucht also unbedingt WLAN..
Die Flashpacker reisen um die ganze Welt, wollen dabei nicht auf Komfort und Konsum verzichten. Außerdem suchen sie virtuell und real den Kontakt zu anderen Reisenden und kommunizieren via Internet mit den Freunden daheim.
War die Backpackerbewegung wichtiger Motor der touristischen Entwicklung, weil ihre avantgardistischen Reiserouten schnell massentouristisch erschlossen wurden , so sehen die Verfasser der Studie heute die Flashpacker als diejenigen an, die die Integration technischer und kommunikativer Innovationen in den Tourismus geradezu erzwingen.
Detaillierte Analysen gibt es zu drei Segmenten des sogenannten Low Markets: Hostels, Budgethotels, Jugendherbergen.
Unter „ Kategorien im Wandel ” finden sich solche Feststellungen:
Hostels haben als Segment eines speziellen Jugendtourismus ausgedient. Vielmehr etablieren sie sich auf dem Markt als Einrichtungen für alle Nachfrager im Low-Market-Bereich.
Analog dazu konstatiert die Studie eine Differenzierung der Tourismustypen. Jugendtourismus wird Bildungstourismus.
Der Familientourismus entwickelt sich zu einer Sonderform mit hohem Anteil an Alleinerziehenden und großer Bildungsaffinität. Dieser Zielgruppe habe sich sehr schnell das Deutsche Jugendherbergswerk geöffnet, das damit zu einem ernsthaften Wettbewerber der Hotellerie werde.
Besonderen Wert legt die Studie schließlich auf die Dynamik der elektronischen Vermarktung. Mit dem Fazit: Für die Vermarktung von touristischen Destinationen und Immobilien werden Communities zunehmend bedeutsam.
Die Entscheidung für oder gegen einen Aufenthalt in einem bestimmten Objekt findet zunehmend im virtuellen Raum statt.
Hans-Jörg Jarofke
