BBI – Ausbau zum Drehkreuz
Der Großflughafen unserer Region wächst. Das Terminal steht im Rohbau und hatte Richtfest. BBI-Eröffnung im Oktober 2011? Manche zweifeln. Sie erinnern sich.
„Berlin wird bald offen sein für den gesamten internationalen Luftverkehr.“ Dieser Satz steht in einem Redetext mit dem Datum 6. Juli 1990. Damals, kurz nach Einführung der D-Mark im Osten, eröffnet die Lufthansa im Stadtbezirk Mitte ihr zweites Berlin-Büro. Wenig später wirbt Heinz Ruhnau als Chef der Lufthansa statt der bestehenden drei Möglichkeiten für einen einzigen großen Flughafen.

Matthias von Randow, Bevollmächtigter des Vorstandes der Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG, Prof. Dr. Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen, Christian Walther, Fernsehjournalist, Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH, und Hans- Werner Franz, Geschäftsführer der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH (v.l.n.r./Foto: Gero Schreier).
1996 beschließt die Politik darüber, weckt Planer und Pläne. Das Ziel? Oft heißt es „Geht nicht“. Daran erinnert der damalige Chef des Flughafens Frankfurt/Main, Prof. Dr. Wilhelm Bender, 2005 in einem „Tourismus Dialog“: Berlin habe „12 Jahre mit internen Diskussionen über die Entwicklung eines Flughafens zugebracht“. Seine Airport-Gesellschaft hatte sich für das Berliner Projekt beworben. Ihr Businessplan: „Ein Drehkreuz für Europa-Verkehr, später dann mehr Verkehr nach Osten…“. Dieses Engagement – wie viele andere, auch aus dem Ausland – lehnt Berlin nach Zögern ab und erstattet zum Beispiel die bis dato entstandenen Kosten der Frankfurter. Auf ein Neues also! Die Uhr tickt weiter…
„Tourismus Dialog“ im Jahre 2010 zum Thema BBI verschafft den Eindruck: Das frühere „Geht nicht“ hat sich erledigt. Am Werk sind andere Leute. Sie folgen dem Leitbild, den modernsten Flughafen unseres Kontinents zu schaffen, als Drehkreuz für den Europa-Verkehr, als Drehscheibe zwischen Ost und West. Vor Augen das Ziel, unsere Region noch besser in internationale Langstreckennetze einzubinden.
„Lassen Sie uns unterhaken und unsere Fernverbindungen ausbauen, und zwar kräftig“. So sagt es Matthias von Randow, Bevollmächtigter der Air Berlin. Seine Gesellschaft will Schönefeld als Hub nutzen, um interkontinentale Verbindungen auszudehnen.
Intensiv-Betreuung der Fluggesellschaften von über 60 Ländern bringt mit der Zeit in Tegel und in Schönefeld die Passagierzahlen auf rund 22 Millionen. Davon etwa die Hälfte Urlaubsreisende. Aufstieg des Tourismus in der Hauptstadt habe zweifelsfrei „zu tun mit dem Auftreten der Low Cost Carrier“, summiert Prof. Dr. Rainer Schwarz, der Chef der Berliner Flughäfen. Burkhard Kieker, seit 2009 Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH, und Rainer Schwarz sind eng beieinander: „Wo immer wir sind in der Welt, treten wir gemeinsam auf und pflegen gemeinsame Kontakte“.
Für künftige Low Cost-Kundschaft wird in Schönefeld ein Extra-Teil des Terminals hergerichtet. Wohl bedacht ist außerdem, dass Passagiere mit Umsteigeabsicht Wert legen auf kurze Wege zwischen den Gates. Aus gutem Grund: Ihr Anteil könnte von heute etwa 1 % bis 2020 auf 15-20 % steigen.
Einen Hauch von Exklusivität im BBI-Alltag ab Oktober 2011 verspricht die Neuerung, die Prof. Schwarz ankündigt: „Mit großer Sicherheit werden auch bekannte Automobilhersteller einen eigenen Service für ihre jeweiligen Kunden einrichten.“
Josef Feistl
