Erfolgsgeschichte Wein
Weinmetropole Berlin – Vision oder Realität?
Als Stadt der Kunst und Kultur, der Mode, von internationalen Kongressen und Events, aber ebenso eines enorm vielfältigen Clublebens, ist Berlin längst bei Touristen aus aller Welt sehr gefragt. Kann und vor allem sollte sich die quicklebendige Stadt an der Spree nun auch noch als Weinmetropole titulieren? Das Interesse am Diskussionsangebot nebst reichhaltigen Hintergrundinformationen rund um dieses Thema beim Medientreff am 23. Juli 2010 war wieder groß. Und mit der Rotisserie Weingrün von Herbert Beltle, Urgestein der Berliner Spitzengastronomie und erneut Gastgeber von Format, hätte kein geeigneterer Ort für diesen Dialog gefunden werden können.

Dr. Michael Polster, Berliner Journalist, Herbert Beltle, Inhaber von Berliner Restaurants, Sonja Christ, Deutsche Weinkönigin 2009/2010, und Reiner Jäck, Projektleiter "Weingarten-Initiative Berlin" (v.l.n.r./Foto: Gero Schreier).
Der Inhaber verfügt nicht nur über das hauseigene Weingut Horcher, sondern auch die Weinkarte des Restaurants gleicht einer Reise durch die bekanntesten deutschen und österreichischen Weinbaugebiete. Und der nun fast schon traditionelle Auftritt der Deutschen Weinkönigin, die zu einem mehrtägigen Besuch in Sachen Weingärten in der Stadt weilte, trug zusätzlich zu angeregten Gesprächen bei. Für die etwa 30 Medienvertreter gab es zunächst interessante Informationen zur aktuellen Situation (zufriedenstellende Verkaufszahlen bei hoher Qualität und geringeren Mengen beim Jahrgang 2009, erwartete Extremausfälle 2010).
Aus berufenem Mund dann viel Lob für Berlin in Sachen Wein:
- rund 50 Betriebe bringen mit Weingärten neue Farben in die Sommergastronomie, Weinfeste sind beliebte Events;
- eine Vielzahl von Restaurants hat außergewöhnlich umfangreich sortierte Weinkeller;
- der Weinfachhandel ist mit rund 150 Fachgeschäften präsent;
- namhafte Verbände und Weingüter präsentieren sich regelmäßig an der Spree (der VDP mit GutsWein, Weinmesse im Logenhaus );
- und mit all dem im Zusammenhang mitteilenswert: der Weinverbrauch in Berlin liegt mit gut 22 Litern pro Kopf und Jahr um zwei Liter über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Tendenz steigend! Anregungen ohne Ende zu weiteren Recherchen zum Beispiel in Sachen Jugend und Wein oder Qualität und Preis.
Jeder muss dabei selbst entscheiden, ob er so hoch greifen und für Berlin gleich den sehr griffigen Marketingaufhänger “Weinmetropole“ wählen möchte.
Realistischer und einleuchtender scheint zu sein, die auf breiter Front vorangekommene Weinkultur als touristischen Zusatznutzen in den Fokus zu rücken, wie sie zu einer Weltmetropole von Rang gehört. Berlins Hotellerie und Gastronomie auch als Multiplikatoren vor allem der Erfolgsgeschichte deutscher Weine, als Hort und Trendsetter modern-lebendiger Weinkultur – das könnte ein Stoff sein, aus dem touristenwirksame Artikel zu diesem Thema entstehen.
Praktikable Anregungen gab es gleich vor Ort. Hatte doch Spitzengastronom Beltle zur besten Freitagabendzeit und bei florierendem Geschäft eine festlich gedeckte Tafel reserviert. Was den Teilnehmern zwar in Sachen Lautstärke und Aufmerksamkeit beim Erfahrungsaustausch mehr abverlangte, aber in Einzelgesprächen mit individueller Degustation mehr als wettgemacht werden konnte. Übrigens: Deutsche Weißweine, allen voran der Riesling, zählen zum Allerbesten in der Welt!
Hans-Jörg Jarofke
