21. Apr 2010

Es muss ja nicht unbedingt am Sonnabend sein

Wie Autoreisende schnell und günstig ans Ziel kommen

Mit dem Auto reisen die Deutschen am liebsten, das ist für Udo Schröder keine Frage. Mehr als 95 Prozent nutzten das eigene Auto, um – bevorzugt – in das „All-inclusive“-Hotel zu fahren, sagte der Bereichsleiter der REWE Touristik in Köln, beim Medienforum des Tourismus Dialog Berlin am 21. April 2010. Gründe seien neben der selbst bestimmten Mobilität vor allem der bequeme Gepäcktransport und die unkomplizierte Mitnahme von Haustieren. Wie die Autoreise zudem stressfrei zu schaffen wäre, darüber diskutierten in der Berliner Mercedes-Benz Gallery Unter den Linden ebenso ADAC-Präsident Peter Meyer und Dr. Andreas Scheuer, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Podium mit Udo Schröder, Bereichsleiter der REWE Touristik, Peter Meyer, Präsident des ADAC, Dr. Andreas Scheuer, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, und Gerhard Kirsch, Tourismus Dialog Berlin, (v.l.n.r.) sowie Publikum (Foto: Dr. Paul Janositz)

Podium mit Udo Schröder, Bereichsleiter der REWE Touristik, Peter Meyer, Präsident des ADAC, Dr. Andreas Scheuer, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, und Gerhard Kirsch, Tourismus Dialog Berlin, (v.l.n.r.) sowie Publikum (Foto: Dr. Paul Janositz)

Als größte Stressfaktoren wurden Staus identifiziert, die nicht zuletzt wegen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung stark zugenommen haben. Die Frage von Moderator Gerhard Kirsch nach der Gesamtzahl der Baustellen konnte der Regierungsvertreter zwar nicht beantworten. Scheuer verwies jedoch auf das Bonus-Malus-System, mit dem die Verkehrsverwaltung die Bauunternehmen für zügige Arbeit belohnen will. Nützlich seien außerdem intelligente Navigationssysteme, die zeit- und nervensparende Stauumfahrung ermöglichten.

Sollen Autoreisende zusätzlich zur Kasse gebeten werden, um Autobahnen nutzen oder in Städte fahren zu können? „Die Maut ist ein Irrweg“, betonte ADAC-Präsident Meyer. Bereits jetzt flössen jährlich 53 Milliarden Euro aus Mineralölsteuer, Kfz-Steuer und der LKW-Autobahngebühr in die Staatskassen. Dem stünden nur 17 Milliarden Euro öffentliche Ausgaben für das Straßennetz gegenüber. Auch das Argument aus dem Publikum, wenigstens ausländische Fahrer sollten im Transitland Deutschland zur Kasse gebeten werden, wies Meyer zurück. Ausländische Pkw machten nur etwas über fünf Prozent des Verkehrs aus und würden über in Deutschland getanktes Benzin fast das Dreifache der auf sie entfallenden Infrastrukturkosten bezahlen. Zudem käme die Erfassung der Maut teuer. Und Verkehr würde von der Autobahn, dem sichersten Fahrweg, auf nachrangige Straßen verdrängt. Das Resultat wären zusätzliche Verkehrsopfer.

Die Regierung habe nicht die Absicht, eine Pkw-Maut zu erheben. Mit diesen Worten beruhigte Staatssekretär Dr. Scheuer den ADAC-Präsidenten. Auch eine City-Maut sei nicht geplant, wenngleich es Regionen oder Städten erlaubt sein müsse, für die Nutzung privat finanzierter Verkehrswege Gebühren zu erheben.

Wer Autozüge nutzt, kann sorglos bezüglich Maut oder Stau in den Urlaub fahren. Entsprechend begehrt seien diese Angebote, sagte REWE-Tourisitiker Schröder. Trotz spezieller Vereinbarungen mit der Bahn sei das Angebot allerdings nur begrenzt. Kritisiert würden auch zu wenig komfortable Schlafgelegenheiten im Autozug. So setzen sich die meisten Urlauber weiterhin selbst ans Steuer. „Autoreisende genießen es, selbst zu bestimmen, wann sie wo welche Strecke fahren“, sagte Schröder. „Die Anreise muss ja nicht unbedingt am Sonnabend sein, wenn Stau programmiert ist“, lautet sein Tipp.

Dr. Paul Janositz

Tourismus Dialog Berlin