Hoffen und Bangen im Hotel im Grünen
Wie Tagungsreisen zum Erlebnis machen
Um es vorweg zu nehmen: Die Reise an den südwestlichen Stadtrand Berlins, ins grüne Dahlem, hatte sich für die Teilnehmer des Medienforums zu Tagungsreisen am 1. Juni 2010 mehr als gelohnt. Nicht nur, dass sie mit dem gastgebenden Seminaris CampusHotel eine attraktive Tagungsstätte kennenlernten, dessen Direktor Oliver Heldt einführend mit der zwar erst einjährigen, durchaus aber schon erfolgreichen Geschichte und den Aufgaben des eng mit der Freien Universität kooperierenden Hauses bekannt machte. Wissenschaftliche Tagungen gehören – so Heldt – mittlerweile zum Standard des nach Entwürfen des Architekten Helmut Jahn gebauten und von den Gästen aus nah und fern angenommenen Hotels.
Vielmehr erlebten die über 30 Wissenschaftler, Ökonomen, Journalisten und weitere Interessenten ein informatives, kurzweiliges Treffen mit den Podiumsgästen Prof. Dr. Detlev Ganten, Beauftragter des Berliner Senats für das Wissenschaftsjahr 2010, und Direktorin Heike Mahmoud vom Berlin Convention Office der BTM. Moderiert vom Journalisten Honza Klein wurden insbesondere die aktuelle Lage im Tagungstourismus und dessen Zukunftsaussichten erörtert. Zwar sei Berlin, so waren sich Ganten und Mahmoud einig, mit seiner einzigartigen Historie und Kultur sowie seinem quantitativ wie qualitativ guten Angebot auch preiswerter Hotels nach wie vor ein Magnet für Touristen und Wissenschaftler aus aller Welt. Ebenso sei Berlin trotz gewisser Irritationen im Luftverkehr eine auf vielfältige Weise stabil erreichbare City. Anhaltend beeindruckende Besucher- und Umsatzzahlen dürften jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Berlin sich wachsender internationaler Konkurrenz beispielsweise aus Barcelona und Wien, London und Paris, zunehmend aber auch aus asiatischen Metropolen wie Singapur und Shanghai zu stellen habe. Der Anteil am Kuchen sei hart umstritten, ja er werde teilweise kleiner, schätzte Mahmoud ein.
Nachdrücklich plädierte Prof. Ganten deshalb dafür, vorhandenes Potenzial wie die zahlreichen Berliner Wissenschaftsstandorte von A wie Adlershof bis Z wie Zehlendorf stärker in der wirtschaftlichen und touristischen Entwicklung der Hauptstadt zu berücksichtigen. Berlin mit seinen großen Wissenschafts- und Forschungstraditionen müsse mit diesem Pfund wuchern, es intelligent und engagiert für die Stärkung der ökonomischen Leistungskraft nutzen. Leider, so fügte der renommierte Wissenschaftler an, stoße man 20 Jahre nach dem Fall der Mauer immer mal wieder auf eine gewisse “Sattheit”, teils sogar “Gleichgültigkeit”, die ihn durchaus beunruhige. Stattdessen sei es jedoch an der Zeit, dass – im Senat beginnend – die maßgeblichen Stellen der Stadt und deren Partner sich der künftigen Herausforderungen klar bewusst werden und sich ihnen auch stellen. So müsse bei der Organisation von Tagungen und Konferenzen, beispielsweise von Wissenschaftskongressen, inklusive der Unterbringung der Gäste in Hotels der Stadt stärker als bisher in Planung und Realisierung koordiniert vorgegangen werden. Schon im Herbst 2010 werde es hierfür einen wichtigen Prüfstein geben: Zum World Health Summit kommen Tausende Teilnehmer von allen Kontinenten mit hochgesteckten Erwartungen nach Berlin, darunter viele Spitzenleute aus Politik und Wissenschaft …
Reinhard G. Bauerschmidt
