Mobilität – alle Weichen richtig gestellt?
Klare Stichworte und eindeutige Antworten zur Frage „Mobilität – alle Weichen richtig gestellt ?“ machten den ersten Tourismus-Dialog im Jahr 2012 beim Treff im gastgebenden Novotel Tiergarten zu einem Erkenntnisgewinn für die Journalisten-Runde. Oft wird solch ein Zeugnis ausgesprochen aus purer Höflichkeit gegenüber dem Moderator – in diesem Fall Honza Klein – und den Gesprächspartnern. Diesmal wanderte das Mikrofon von Hand zu Hand zwischen den Präsidenten Jürgen Büchy (Deutscher ReiseVerband) und Reinhard Meyer (Deutscher Tourismusverband) sowie dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr , Bau und Stadtentwicklung, Jan Mücke.
Erfreulich knapp wie die Stichworte auch die Darlegungen:
- Zum Flugverkehr? Er entwickelt sich. Im Wettbewerb der Anbieter von himmelweiten Fernzielen ist die Lufthansa so gut wie konkurrenzlos. Bei Ferienplätzen in den angrenzenden Ländern, vornehmlich Österreich und Italien, setzt sich der Deutsche gern ins eigene Auto oder auch in den Bus. Die Bahn kommt bei Strecken außer Landes weniger zum Zug. Dennoch setzen die drei Verkehrsunternehmen – Flieger, Bahn und Bus – auf mehr Passagiere.
- Zur Luftverkehrssteuer? Kaum einer freut sich über diese Abzocke über den Wolken wie gleichermaßen über die Autobahnmaut zu ebener Erde. Die Zahlungen seien Beiträge zur Finanzierung der erforderlichen Infrastruktur. Wenn schon, dann bitte die Zusatzsteuer von der Straße auch als Zusatzinvestition für das Straßen- und Autobahnnetz einsetzen. Immerhin kostet heutzutage ein Kilometer Autobahn-Neubau acht Millionen Euro. Kommen Extras hinzu , wie Schallschutzwände oder Naturschutzmaßnahmen, werden aus acht schnell 20 Millionen Euro pro Kilometer.
- Zur PKW-Maut? Für diese bisher bloß erwogene Gebühr fand sich unter den drei Repräsentanten des Medienforums zum jetzigen Zeitpunkt kein Fürsprecher. Im Gegenteil: Die PKW-Maut könnte den „Mautflüchtlingsverkehr“ beleben, wie er bei Schwerlastern auf Ab- oder Umwegen zu beobachten ist, statt eine Verkehrsberuhigung in den Ortskernen zu bewirken.
- Zur innerstädtischen Umweltvignette? Mit ihr haben Berliner Busunternehmen ihre liebe Not, wie eine Wortmeldung aus dem Zuhörerkreis wissen ließ. „Während Busse von außerhalb mit der gelben Vignette in der gesamten Stadt fahren dürfen, kommen die Berliner nur mit der grünen durch,“ beklagte er. Eine Gleichstellung wäre gerecht.
- Zur Bettensteuer? Während die Maut im Finanzministerium landet, soll diese Steuer die kommunalen Haushalte aufbessern helfen. Die Befürchtung, dass damit die Zahl der Übernachtungen rückläufig sein könnte, habe sich in der Domstadt Köln nicht bestätigt, wurde mitgeteilt. Eine Ermunterung für den Berliner Senat, auch hier am seelig schlafenden Gast mehr zu verdienen?
-Zur Kreuzschifffahrt? Trotz der Tragik um die Costa Concordia bleibt die Kreuz- und Flussschifffahrt ein Touristen- magnet. Beide Verbandschefs bestätigten: Jährliche Zuwächse im zweistelligen Bereich verlocken zu mehr neuen Schiffen über die Meere. Deutschland habe einen Marktanteil von 1,5 Prozent am Hochseetourismus, wobei zwei Prozent aller Weltenbummler zu Wasser unterwegs sind.
- Fazit dieses Tourismus-Dialogs: Es sind noch nicht alle Weichen zur Mobilität auf „Fahrt frei!“ gestellt.
Werner B. Hoppe
