8. Dez 2008

Party gehört zum Programm

„Jugendreisen – alles Party oder was?“

Hostel ist nicht gleich Hostel – und auch die Jugendherbergen sind darum bemüht, ihr Lederhosen- Wandergruppen- Image zu überwinden.
Jugendreisen
Stephan Riese, Leiter Akademie Deutsches Jugendherbergswerk; Nizar Rokbani, Geschäftsführer MEININGER City Hostels & Hotels; Jörg Schöpfel, Pressesprecher Backpacker Network Germany; Christopher Sandeman, Geschäftsführer New Europe Tours; Horst Schwartz, Journalist – Podium v. l. n. r. (Foto: MEININGER)

Das wurde auf dem Medienforum im MEININGER CITY HOSTELS & Hotels am Senefelder Platz klar, zu dem der Tourismus Dialog Berlin am 8. Dezember 2008 eingeladen hatte. Besonders angesprochen fühlten sich viele junge Medienvertreter. Kein Wunder bei dem provozierenden Thema: „Jugendreisen – alles Party oder was?“

Den Fragen der interessierten Zuhörer stellten sich Stephan Riese (Leiter der DJK-Akademie, Deutsches Jugendherbergswerk, Detmold), Nizar Rokbani (Geschäftsführer Meininger City Hostels & Hostels, Berlin), Christopher G. Sandemann (Geschäftsführer New Europe Tours, Berlin) und Jörg Schöpfel (Pressesprecher Backpacker Network Germany, Berlin). Die Moderation hatte Horst Schwartz übernommen, der viele Reiseerfahrungen seiner Kinder in die Gespräche einfließen ließ.

Jugendliche, die reisen, wollen andere Städte und Länder kennen lernen und durchaus nicht nur Partys feiern, so die übereinstimmenden Erfahrungen. Aber Partys gehören dazu. „Ohne Partyspaß ist alles nichts“, auch darüber war man sich schnell einig. „Wo soll man auch sonst mit anderen Menschen zusammenkommen?“

Wer reist, möchte sich umgucken, einkaufen, essen gehen und was erleben. Stadtführungen werden eher als dröge empfunden, es sei denn, es werde „Geschichte in Form von Geschichten“ vermittelt. Fahrten zu Stätten der Erinnerung, beispielsweise von Berlin aus zur Gedenkstätte Sachsenhausen, gehören dagegen für viele selbstverständlich zum Programm.

So hat das Deutsche Jugendherbergswerk durchaus einen pädagogischen Anspruch und Auftrag. „Aber so würden wir das vor den Jugendlichen natürlich nie formulieren“, betont Stephan Riese. „Das würde abschrecken.“

Hostels bieten die Möglichkeit, mit anderen Jugendlichen unkompliziert ins Gespräch zu kommen. Freundschaften entstehen oft schon beim Frühstück. Auch das macht neben der preiswerten Unterkunft die Beliebtheit dieser Unterkünfte aus. Dabei geht der Trend durchaus zum etwas höheren Ausstattungsniveau, informierte Nizar Rokbani.

In seinem Anfang 2008 eröffneten schmucken Hostel am Senefelder Platz kostet die Übernachtung im Einbettzimmer rund 50 Euro, im Mehrbettzimmer 40 Euro, immer etwas variierend entsprechend der Nachfrage. Für das Frühstück sind 3,30 Euro zu zahlen. Das Haus kann mit seiner idealen Lage – die U-Bahnstation vor der Haustür und nur weinige Minuten zu Fuß zum Alexanderplatz – zusätzlich punkten.

Probleme mit Alkohol? Für den Ausschank gibt es eindeutige Vorschriften, die strikt eingehalten werden. „Das weiß jeder, und so gab es bisher noch nie Schwierigkeiten.“

Wer reist, bemüht sich, etwas mehr aus seinem Leben zu machen, so Rokbani. Berlin werde so wie London, Rom und Barcelona immer mehr zum festen Bestandteil der Reiseplanung vieler Jugendlicher. Die Hostels sind dabei, sich zunehmend auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse ihrer Gäste einzustellen. Und natürlich hoffen die rund 100 Hostels, die es in der deutschen Hauptstadt inzwischen geben soll, dass die Flug- und Bahnpreise nicht steigen, damit der Touristenstrom auch weiterhin nicht abebbt.

Jürgen Albrecht

Tourismus Dialog Berlin