14. Apr 2009

Pressefahrt nach Schwerin und Klaistow

Ein Mekka für Blumenfreunde
Stadt der sieben Seen lädt zur BUGA 2009 ein

Es sollte etwas ganz besonderes werden: Die Veranstalter der diesjährigen Bundesgartenschau (BUGA), die vom 23. April bis 11. Oktober 2009 in Schwerin stattfindet, sind diesmal mit ihren Stauden, Büschen und Bäumen nicht auf eine grüne Wiese vor die Tore der Stadt gezogen, sondern haben genau das Gegenteil getan und das Zentrum der alten Residenzstadt für ihre Exposition genutzt.

Fotoreporter vom Tourismus Dialog Berlin auf der BUGA 2009 in Aktion
Fotoreporter vom Tourismus Dialog Berlin auf der BUGA 2009 in Aktion. (Foto: Udo Lauer, Merlin-Presse)

Schwerin habe sich zunächst schwer getan, erzählt BUGA-Geschäftsführer Jochen Sandner über die rund neunjährige Planungsphase der Ausstellung. Zunächst sollten es elf Standorte werden. Seit 2004 war dann klar, dass die farbenprächtigen Gärten rund um das Schweriner Schloss angeordnet werden sollen. Und was liegt näher, als sich in der Stadt der sieben Seen genau auf diese Zahl zu einigen. Deshalb lautet auch das Motto der Schau für den grünen Berufsstand und die Hobbygärtner: „Sieben Gärten mittendrin“.

Es werde eine BUGA der kurzen Wege, meint Sander. Das habe es das letzte Mal 1975 in Mannheim gegeben. Mit ihren 55 ha ist die Schweriner aber zugleich auch eine der flächenmäßig kleinsten Bundesgartenausstellungen. In München vor vier Jahren wurden rund 250 ha genutzt. Dennoch haben Statistiker bereits errechnet, dass Besucher, wenn sie in Schwerin um jedes Beet gehen würden, am Ende über 25 km zurückgelegt hätten.

Ein Spaziergang über das Wasser

Der Burggarten rund um das Großherzogliche Residenzschloss aus dem 19. Jahrhundert, das seit 1990 umfangreich restauriert wurde und zur BUGA erstmals keine Gerüste mehr trägt, ist der einzige Ausstellungsteil, der ohne Eintrittskarten zugänglich ist. Dort befindet sich auch die Orangerie mit einer imposanten gusseisernen Treppe, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aufzufinden war und zur BUGA anhand von Fotos aufwendig originalgetreu wieder hergestellt wurde. Auch die Schlossinsel, auf der es vor über 1 000 Jahren eine slawische Burganlage gab, befindet sich mit der Gartenschau wieder in dem Zustand wie vor 150 Jahren, erzählt Sandner.
Von hier aus bietet sich nicht nur ein guter Ausblick auf die Silhouette der Altstadt mit dem alles überragenden Dom, sondern die Besucher erhalten einen ersten Eindruck vom gegenüberliegenden Garten am Marstall sowie vom Ufer- und Naturgarten.
Lange sei darüber gestritten worden, wie sich die Ausstellungsgärten über den See miteinander verbinden ließen. Nahe liegend wären Fähren gewesen, die sich aber der benötigten Größe wegen auf dem Schifffahrtsweg nicht nach Schwerin bringen ließen. Eine Seilbahn über den See sei auf Grund der benötigten rund zehn Mio. Euro verworfen worden. Jetzt gelangen die Besucher vom Ufergarten – mit einer Vielzahl von gastronomischen Einrichtungen – über eine schwimmende Brücke zum Garten am Marstall. Dort erwarten sie eine Parklandschaft mit malerischen Baumgruppen und so genannte Themengärten, die Anregung für die Gestaltung von eigenen Klein- und Hausgärten geben sollen.

Gartenbaukunst vergangener Jahrhunderte

Neben dem „Spaziergang über das Wasser“ ist die „Schwimmende Wiese“ im Garten des 21. Jahrhunderts, der sich noch im Eingangsbereich befindet, als ein besonderer Höhepunkt gedacht. Ein Gang über den Rasen mit den vielen unterschiedlichen Staudenbeeten – insgesamt sind auf der BUGA 325 000 Frühjahrsblüher und 275 000 Blumenzwiebeln gepflanzt worden – soll den Eindruck des Schwebens auf dem Wasser vermitteln.
Gleich daneben befindet sich der historisch gestaltete Schlossgarten, der zugleich der größte und auch vielfältigste Teil der gesamten Ausstellung ist. Hier wird dem Besucher ein Einblick in die Gartenbaukunst der vergangenen Jahrhunderte gegeben. Dazu gehört auch der von Peter Joseph Lenné konzipierte Greenhouse-Garten im Stile eines englischen Landschaftsparks.

Für Aufregung sorgte dieser Tage der Vorwurf an die Veranstalter, vor allem bei der Gestaltung des Schlossgartens alten Baumbestand rücksichtslos abgeholzt zu haben. Die BUGA-Verantwortlichen wiesen diese Behauptungen zurück. Denn die rund 200 gefällten Linden aus den 70er Jahren passten weder zu den vorhandenen Bodenverhältnissen noch hätten sie an den historisch richtigen Stellen gestanden. Die neuen 600 Linden seien genau so gepflanzt worden, wie sie vor über einhundert Jahren angeordnet waren, erläutert BUGA-Pressechef Gert Steinhagen.

Veranstalter sind zuversichtlich

Auf der Freilichtbühne im Schlossgarten werden bis zum Ende der Bundesgartenschau am 11. Oktober auch große Kulturveranstaltungen stattfinden. Dazu gehören der Auftritt von Patricia Kaas und Band „Kabaret“ sowie Folkmusik aus Kanada und ein Jazz- und Blaskapellenfestival. Auch die diesjährigen Schlossfestspiele mit Mozarts „Zauberflöte“ und „Alexis Sorbas“ sind fest in die BUGA integriert.
Insgesamt rechnen die Veranstalter mit rund 1,8 Millionen Besuchern. „Dann würden wir schwarze Zahlen schreiben“, meint Sandner. Von dem insgesamt 74 Mio. Euro umfassenden Budget müssten rund 19 Mio. Euro selbst erwirtschaftet werden. Das lasse sich trotz Krise erreichen, ist sich der Geschäftsführer sicher.
Die BUGA sei mit ihren Eintrittpreisen, die seit der letzten Ausstellung in Gera nicht angehoben wurden, schließlich kein Luxusprodukt. Die Urlauber bevorzugten in diesem Jahr Kurzreisen statt mehrwöchiger Trips ins Ausland. Das komme der BUGA zugute. Dass zur gleichen Zeit die Landesgartenausstellung Brandenburgs in Oranienburg stattfindet, sieht Sandner nicht als glückliche Terminplanung an. Doch würden beide Veranstalter inzwischen kooperieren und füreinander werben.

Peter Koard

Auf der Rückreise machten die Journalisten auf dem Erlebnis- und Spargelhof Klaistow halt. Inhaber Ernst-August Winkelmann (links im Bild) erläuterte Neuigkeiten 2009
Auf der Rückreise machten die Journalisten auf dem Erlebnis- und Spargelhof Klaistow halt. Inhaber Ernst-August Winkelmann (links im Bild) erläuterte Neuigkeiten 2009. (Foto: Udo Lauer, Merlin-Presse)


Sieben BUGA-Gärten auf einen Streich

Die Zahl 7 war im Altertum eine heilige Zahl. Noch heute umgibt sie ein sagenhafter Charakter. Sieben Ähren, siebenerlei Kräuter, siebenerlei Speisen an fürstlichen Tafeln und besonders der immer noch aktuelle Siebenschläfer spielen im Volksglauben, speziell bei allen Gartenfreunden, eine höchst respektierte Rolle.
An diesem Datum kommt auch die diesjährige Bundesgartenschau in Schwerin nicht vorbei. Aber diese BUGA bereichert die sagenumwobene Sieben mit dem Slogan „Sieben Gärten Mittendrin“, also im Herzen der Stadt. Sie baut somit gedanklich sieben Brücken, über die man laut Kultgruppe „Karat“ oder Peter Maffay gehen müsste, um zu den sieben Seen zu gelangen, die die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns als blaues Band umschließen. Kurze Wege sind also garantiert. Wer aber alles rund ums Schloss in Augenschein nehmen will, dem darf ein Spaziergang von etwas mehr als 20 km nicht zu viel sein.

Seit 1951 zur ersten Bundesgartenschau nach Hannover eingeladen wurde, haben Millionen und Abermillionen Natur- und Gartenfreunde diese Präsentationen neuester Züchtungen von Blumen und Gemüse, von Sträuchern und Gehölzen, die Arrangements farbenprächtiger Beete, Rabatten und Parks bewundert und sich Anregungen für ihr Grün vor dem Haus, in der Wohnung, auf dem Balkon und für die eigene Gartengestaltung geholt. Mit diesem Reichtum an Fantasie von Gärtnern und Gartenarchitekten locken auch die sieben Schweriner Themengärten.

Aus der Kenntnis einer Reihe von Bundesgartenschauen bleibt es nicht bei der Bewunderung, sondern es stellt sich die Frage: Was „blüht“ den Bürgern der BUGA-Stadt, wenn am 11. Oktober die Schau schließt?
Klare positive Antwort: Das Sieben-Gärten-Konzept hat auch die Jahre danach im Blick. Die Schweriner werden erst dann in Ruhe genießen, wie sich die BUGA-Investitionen von 74 Mio. Euro auszahlen.
Ohne sich als Außenstehender eine Gewichtung anmaßen zu können, was die Gastgeber für zukunftsträchtig halten, dürften der aufgefrischte Schlosspark und selbstverständlich das Residenzschloss, die neue Wegeführung, die wiedererweckte Freilichtbühne, die lebendig gestaltete Kaskade als blumenreicher „Wasserfall“, die auf Dauer beseitigten tümpelartigen Sumpflöcher sowie der einst herzogliche Küchengarten neben dem Kindergarten zu den BUGA-Errungenschaften 2009 zählen. Insofern ist die Bundesgartenschau in Schwerin mit ihren „Sieben Gärten Mittendrin“ kein Buch mit sieben Siegeln, sondern eher gemäss des tapferen Schneiderleins „Sieben auf einen Streich“, für die Stadt- und die Standortentwicklung von Gewicht.

Werner B. Hoppe

Tourismus Dialog Berlin