7. Dez 2009

Regionales auf dem Gäste-Teller

Ob wirklich “die Preise in Brandenburg stimmen”?

Es beweist ein gerüttelt Maß an Selbstvertrauen, was da der Hauptgeschäftsführer vom Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg in die Debatte warf. Dass nämlich hierzulande die Preise stimmen und sich im Verhältnis zu anderen Deutschland-Regionen günstig für den Gast zu Buche schlagen würden. Und deshalb, so jedenfalls Olaf Lücke während des jüngsten Tourismus-Dialog-Gespräches, könnten die Mehreinkünfte durch die bevorstehenden Senkung der Mehrwertsteuer auch und vor allem anderweitig genutzt werden.

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Dieter Hütte, Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, Alexander Dressel, Direktor des Hotels Bayrisches Haus Potsdam, Bettina Erdmann, Berliner Journalistin, Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg, und Torsten Kleinschmidt, Küchenchef der Spreewald Therme Burg (v.l.n.r./Foto: Heidi Diehl)

So für den Abbau des Investitionsstaus, für die Aufstockung der Mitarbeiterbezüge und nicht zuletzt auch für die Einkommen der Inhaber. Kurz auf den Punkt gebracht: In den wenigsten Hotels und Pensionen wird das neue Steuerpaket Auswirkungen auf die Preise haben. Die meisten der Anwesenden, die nicht direkt mit der Branche zu tun haben, brachten dafür eher weniger Verständnis auf. Und gewiß wird die Diskussion in der breiten Öffentlichkeit erst mit dem Inkrafttreten richtig beginnen. Dabei stand ein ganz anderes Thema im Mittelpunkt der Diskussionsrunde, zu der Anfang Dezember ins Kongresshotel Potsdam am Templiner See geladen wurde. In das mit fast 450 Zimmern größte Haus zwischen Elbe und Oder – ein Hotel, das allerdings wegen seiner Randlage sogar vielen Insidern unbekannt ist. Gefragt war nach „Regionalem auf Touristen-Tellern“. Ein Thema, das Gäste und Gastgeber gleichermaßen bewegt. Schade, dass kein Inhaber eines Dorfgasthofes oder eines mittelstädtischen Hotelrestaurants über seine Erfahrungen berichtete. So zeigte sich an diesem Abend, und da sind auch Journalisten angesprochen: sich allgemein über positive Trends zu äußern ist zu wenig. So sehr auch Aktionen wie einst der „Brandenburg-Teller“ und jetzt die „Brandenburger Gastlichkeit“ zu begrüßen sind und die Bemühungen der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH um Geschaftsführer Dieter Hütte alle Unterstützung von Politik und Presse verdienen, so ist es einfach zu wenig, was da am Ende auf den Tellern „landet“. So richtig überzeugend war das auch nicht, was Torsten Kleinschmidt, Manager und Küchenchef der Spreewald Therme Burg, zum Besten gab. Gewiss, der Spreewald ist mehr als sauere Gurken. Und zu einen Fitness- und Wellness-Tempel wie in Burg gehören entsprechende Speisen. Doch wer sich auf kulinarische Erkundungen in die Niederlausitz begibt, kommt in der Regel nicht wegen gesunder Ernährung, sondern will wissen, wie beispielsweise die legendäre weiße Fischsauce schmeckt, die es so nur hier gibt. Und welche Spezialitäten die wendische Küche bietet. Die Küche dieses slawischen Volkes genießt in Brandenburg offensichtlich ein völliges Schattendasein. Mich hätte auch interessiert, was die Fachmänner von der häufig geübten Praxis halten, Zander – egal wo er groß geworden ist – die Bezeichnung „Havelzander“ überzustülpen. Was überhaupt nicht zur Sprache kam, waren beispielsweise Preise, die die Gaststätten für Fische aus märkischen Gewässern oder Wild aus brandenburgischen Wäldern zahlen müssen. Für viele Küchenchefs Anlass, auf Produkte aus Osteuropa oder Übersee auszuweichen. Für Alexander Dressel, den Küchendirektor vom hochkarätigen „Bayrischen Haus“ in Potsdam, sind das eher untergeordnete Probleme. Ihm bereitet vielmehr Sorgen, das nur wenige Qualitätsprodukte – von Wild mal abgesehen – in der notwendigen Menge zu bekommen sind. Dressel ist auch bereit, an diesem Abend das zu benennen, was außer Wild und Geflügel an brandenburgischen Produkten auf den Tellern seines Restaurants wiederzufinden ist. Nicht allzu viel: Aal, Hecht und Zander, Teltower Rübchen und Rosenkohl, Weinbergschnecken und Büffel-Mozzarella. Niemand behauptet, dass es leicht ist, brandenburgische Regionalität auf den Tellern widerzuspiegeln. Das gilt für Ausgangsprodukte wie auch für die Gerichte selbst. Will man aber derzeit und in der Zukunft erfolgreich in den „Küchenschlachten“ bestehen, dann bleibt den Gastronomen nichts anderes übrig, als viel, viel Zeit in entsprechende Überlegungen zu investieren. Die Diskussion in Potsdam ist es wert, fortgesetzt zu werden.

Lars Franke

Tourismus Dialog Berlin