Schwerter jubilieren
Pressefahrt zu 300 Jahre Meissener Porzellan
Nur hundert kleine Schritte sind es in Berlin von der Friedrichstraße Richtung Brandenburger Tor. Am Haus Unter den Linden 39b drei goldene Schwerterkreuze, die irgendwie bekannt anmuten. Klarheit schafft der Schriftzug: Meissen – Manufaktur – seit 1710.
Im Schaufenster eine respektabel große Vase mit vierstelligem Preis. Von der Art, wie sie wohl schon seit drei Jahrhunderten den Regierenden und Kunstfreunden gefällt. Ein Herr in Schwarz hält die Tür auf und weist zur Verkaufsberaterin.

Journalisten vom Tourismus Dialog Berlin in der Schauwerkstatt der Porzellan-Manufaktur Meissen (Foto: Agentur Baganz)
Blick ringsum. Im Shop zeichnen sich die Geschäftsfelder der Manufaktur ab. Mit den Eigennamen Fine Living&Home Art, Fine Dining und Fine Jewellery, ungezählte Varianten des Weißen Goldes.
Wir nehmen uns Schmuck vor, Kollektion 2010. Ein Sortiment sei schon in Mailand vorgestellt und verkauft worden, ist zu hören. Vor einigen Wochen ein ähnlicher Erfolg im Berliner Hotel Adlon. Je 1.500 Interessenten aus dem In- und Ausland. Dabei sogar Anleger, „für die Meissener Porzellan ein attraktives Investment ist“.
Manschettenknöpfe mit Schwerterkreuzen fallen auf. Die Fachfrau informiert. Solche Schmuckstücke trage der USA-Präsident Obama seit vergangenem Sommer. Als Geschenk vom Sächsischen Ministerpräsidenten, übergeben im Residenzschloß zu Dresden, allerdings „massiv und in 18-karätigem Rosé-Gold“.
Neben dem Manschettenstück liegen hinreißende Ohrringe. „Das sieht in natura so aus“, sagt die Verkaufsdame lächelnd und legt an ihre Ohren Meissener Schwerter. Golden und für knapp 900 € zu haben.
Noch viel mehr zu sehen sei bei der Jubelfeier zum 300-jährigen Bestehen der Firma, erklärt eine zweite Dame. Sie stellt sich vor: Jacqueline Schröder, Regionalchefin Berlin der Porzellan-Manufaktur.
Ihr Rat: eine Reise nach Meißen….
Wieder nur ein paar Schritte – diesmal vom Bus zur Manufaktur Meissen in der Talstraße. Hier ließen zur Premiere japanische Trommler die Wände beben. Zwischen zwei Goldenen Schwertern geht es hinauf zur Weltausstellung. „All nations are welcome“. Sehenswert, was da an Porzellankunst als Brücke zwischen Kulturen und Nationen geboten wird. 10.000 Besucher zum Auftakt. Darunter Japans Botschafter – der Ferne Osten gilt als ein Hauptkunde der Manufaktur.
Japaner gehen mit uns Berlinern auf die „Meissener Zeitreise“. So heißt das Drei-Gang-Menü im Haus-Restaurant. Dreimal anderes Service, dreimal anderes Jahrhundert. Natürlich sind auch reale Reisen zu haben (Info-Telefon 03521/468-775, www.claudia.gulden@meissen.com). Z.B. je vier Tage, drei Übernachtungen, Ausstellungsbesuch, Stadtführung und Exclusiv-Blick hinter die Kulissen: treppauf, treppab im riesigen Bau.
Für ihre diffizile und differenzierte Arbeit brauchen Manufaktoristen eher kleinere Räume. Mit seltenen Berufen: Bossierer (Zusammenfügen von Einzelteilen zu einer Gesamtplastik), Unterglasurmaler (Zwiebelmuster) oder Aufglasurmaler (Blumen- und Indischmalerei). Und wie wohl nennt man jene vier Damen, die jedem Produkt die kleinen blauen Schwerter, das Markenzeichen, aufmalen? – Klarer Fall: Schwerterinnen.
Der Hausherr, Dr. Christian Kurtzke, sagt, „im Bereich der gehobenen Innenausstattung, der Tisch- und Tafelkultur sowie bei Schmuck und hochwertigen Accessoires“ stehe seine Firma getreu ihrer Tradition „weiterhin für Leidenschaft, Einzigartigkeit und Unvergänglichkeit. Und wird so zu wahrem Luxus“.

Dr. Christian Kurtzke, Vorsitzender der Geschäftsführung, erläutert Historie und Zukunft der Meissener Manufaktur (Foto: Agentur Baganz)
Der Gast verlässt Meißen mit neuem Wissen. Das gilt ebenso für den Berliner Meissen-Shop. Es kann auch sein, dass man geht, um später wiederzukommen. Vielleicht weil ein bestimmtes Stück Schwerter-Porzellan, das zur eigenen Brieftasche passt, partout nicht aus dem Kopf will.
Josef Feistl
