Wie stehts um die „ Brandenburger Gastlichkeit“?
Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate trafen sich am touristischen Geschehen im Nachbarland interessierte Fachjournalisten in Potsdam. Drehten sich im Frühjahr die Gespräche vorrangig um “Potsdam 2011 – Stadt des Films“ sowie um Attraktionen der neuen Saison im Filmpark Babelsberg, ging es nun am 18. August um die Rolle der Gastronomie im Reiseland Brandenburg. Wegen seines fulminanten Angebots an Kunst, Kultur, Architektur und landschaftlicher Vielfalt zieht es zunehmend Gäste aus dem In- und Ausland nach hier. In den ersten sechs Monaten 2011 gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei den Ankünften ein Plus von 6,8% und bei den Übernachtungen um 4,7%.

Dieter Hütte, Geschäftsführer Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, Ingrid Diwald, Direktorin relexa Schlosshotel Cecilienhof, und Mario Kade, Präsident Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg (v.l./Foto: Manuela Hutzler)
Aktueller Aufhänger des Medientreffs im relexa Schlosshotel Cecilienhof war, Hintergrundinformationen zur freiwilligen unternehmerischen Qualitäts- und Marketinginitiative mit dem Gütesiegel „ Brandenburger Gastlichkeit“ zu erhalten.
Das Podium war wie gewohnt kompetent besetzt. Was sich auch deshalb als sehr wichtig herausstellte, weil sich der verhältnismäßig kleine Kreis von Medienvertretern als besonders interessiert, wissbegierig sowie diskutierfreudig erwies und durchaus einige Dinge kritisch hinterfragte. Dies kann wiederum eigene Recherchen beflügeln. Zum Beispiel: Brauchen wir eine solche Aktion bei der geradezu inflationären Verwendung von Klassifizierungen, Zertifikaten, Qualitätssiegeln und und und……?
Wie objektiv kann ein solcher Test sein, und wie nachhaltig wirkt er? Was verstehen wir überhaupt unter regionaler Küche, und ist das nicht nur wieder eine Modeerscheinung? Auf alle Fragen gab es, auch Dank der sachkundigen Gesprächsleitung durch die Journalistin Corinna Schlag, für die journalistische Arbeit verwertbare Antworten.
Hier einige Details zur Aktion selbst:
° Die 2004 unter „Potsdamer Gastlichkeit“ gestartete Initiative war so erfolgreich, dass sie auf andere Regionen übertragen wurde ( Barnimer, Spreewälder bis Uckermärker Gastlichkeit ).
°Mit mehr als 300 Teilnehmern sind rund 20 % der relevanten Betriebe bei diesem Qualitäts-Check dabei (Ziel ca. 25%). Es profitieren nicht nur die Gäste, sondern auch die Unternehmer mit signifikanten Umsatzzuwächsen von bis zu 20 Prozent! Dass die Initiative inzwischen gar zu einem „Exportschlager“ geworden ist, auch das spricht für sich: zunächst folgte als weiteres Bundesland Schleswig-Holstein. Pate stand Brandenburg auch in der Ukraine, wo sich eine „Lviver Gastlichkeit“ etablierte.
° Die Nachfrage nach regionalen Gerichten nimmt zu und wird anhalten. Voraussetzung für eine attraktive Regionalküche sind hochwertige Produkte aus der Landwirtschaft und der gesamten Vorstufe. Hier bieten sich übrigens tolle Anknüpfungspunkte dafür, wie Probleme gelöst und gegenwärtige Defizite (zum Beispiel durch Aufbau von Netzwerken Produzenten – Gastronomen) beseitigt werden.
° Markenbildung im Sinne von „ Regional“ ist dann image- und umsatzfördernd, wenn sie überzeugend, transparent, ehrlich, verlässlich, vertrauensbildend daher kommt. Die ideenreiche Kommunikation darf nie Kampagnencharakter tragen, sondern muss Emotionen wecken. Das betrifft nicht nur Speisen und Getränke, sondern schließt auch solche Dinge wie Freundlichkeit, Ambiente oder Ordnung und Sauberkeit ein. Bei all dem gibt es Fortschritte. Aber, so das Fazit: es bleibt noch viel zu tun. Zum Beispiel im Hinblick an die Anpassung der Kategorien und Kriterien der Qualitätstests an den Zeitgeist. Oder was die Testzeiträume ( gegenwärtig zwei Jahre ) angeht. Interessante Ansätze übrigens auch für Kollegen, die sich dieses Themas mal annehmen möchten. Dazu noch der folgende Tipp: wertvolle Anregungen können den Publikationen „Brandenburger Gastlichkeit“ ( www.brandenburger-gastlichkeit.de ) sowie „Potsdamer Gastlichkeit“ entnommen werden.
Mit Kostproben aus dem Facettenreichtum moderner Brandenburger Küche, dargeboten im einzigartigen Garten, war dann auch die Frage, wie es um die Brandenburger Gastlichkeit steht, zumindest für das mit Gütesiegel ausgezeichnete Schlossrestaurant überzeugend beantwortet.
Hans-Jörg Jarofke
